St. Laurentius Kapelle
Etwa 3,5 Kilometer südwestlich vom Stadtkern Waltrop, hinter dem Dortmund-Ems-Kanal, steht die
St. Laurentius-Kapelle inmitten der Äcker und Felder der Waltroper Bauernschaft Leveringhausen an der Schultenstraße. Die Kapelle gehörte bis zur Gemeindefusion der St. Ludgerus-Pfarrei. Mit der Fusion zum 30. November 2008 gehört sie heute nun zur Pfarrei St. Peter in Waltrop.

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Jahrhunderte lang war die Kapelle Besitz der Abtei Werden an der Ruhr (Das Benediktinerkloster Werden an Ruhr wurde 799/800 vom Hl. Luidger, dem 1. Bischof unseres Bistums Münster als Stützpunkt der Sachsenmission gegründet). In einer Urkunde der Abtei Werden an der Ruhr überträgt „eine gewisse Dienerin Gottes, Hildiburg mit Namen, einen Hof in Liefuuordinghuson (Leveringhausen) ...“ „und eine Kapelle dem Kloster des Hl. Ludgerus.“
Von Adalwig, der Abt des Benediktinerklosters Werden von 1066 bis zu seinem Tode im Jahre 1081 war, erhält Hildiburg dafür mehrere Lehen und Abgaben in einigen westfälischen Orten.
Es gibt demnach seit über 900 Jahren eine Kapelle in Leveringhausen.
1343 wird ein Herr Arnolde von Mengede in Verbindung mit der Kapelle erwähnt (Heimatbuch des Amtes Waltrop, 1974, Seite 121).
Im Kölnischen Krieg, den Truchseß‘schen Wirren, 1583-1588, wurde eine Glocke der Kapelle zu Leveringhausen beschlagnahmt und gewaltsam zur Horneburg gebracht (Vestischer Kalender 1959, Seite 55).
Der älteste Teil der Kapelle ist der heutige mittlere Bau, das eigentliche Kirchenschiff. Altarraum und Turm sind später angebaut worden. Das teilweise bis zu 1 Meter dicke Mauerwerk besteht aus behauenen Bruchsteinen.
RenovierungenAls 1974/75 die Kapelle gründlich restauriert und dabei der alte Verputz abgeklopft wurde, hätte man gern die Außenwände ohne Verputz gelassen. Der Blick auf die freigelegten Bruchsteine gab der Kapelle ein altes, kerniges Aussehen. Da aber in früheren Zeiten eine Anzahl reparaturbedürftiger Stellen mit Ziegelsteinen ausgefüllt worden waren, erhielten die Außenmauern einen neuen, atmungsaktiven Verputz.
Es erfolgte im Jahre 2010 ein Innen- und Außenanstrich, Installation einer Bankstrahlungsheizung sowie Erneuerung der Beleuchtung. Schaffung einer Sakristei durch Einbringen einer Eichentür zwischen Kapellenraum und Turm mit Kastenriegelschloss aus dem Jahre 1853 – ehemals alte Mädchenschule Waltrop (eine Schenkung von Franz Schäferhoff). Die vorhandenen Bänke wurden ausgetauscht gegen Bänke der ehemaligen Krankenhauskapelle Waltrop (heute Kulturforum).
Der TurmWährend die Kapelle mit Dachziegeln gedeckt ist, hat der Turm eine schiefergedeckte Haube.
Über der Kugel mit dem Turmhaus thront der rund 7 Pfund schwere Wetterhahn. Er ist aus Messing und wurde vergoldet. Bei der Restaurierung 1975 wurde er nach dem Modell des alten Hahns neu angefertigt.
Im Turm der Kapelle hängen zwei Bronzeglocken, die auch heute noch mit Glockenseilen von Hand geläutet werden.
Der im Grundriß fast quadratische Turm hat ca. 1 m dicke Mauern. In Höhe der Glockenaufhängung sind rings um den Turm 7 rundbogige (romanische) Schallfenster-Öffnungen, 1 nach Osten und je 2 nach Westen, Norden und Süden. Auf halber Höhe befindet sich an den Seiten je eine schmale, schartenartige Fensteröffnung und unten im Turm an der Nord- und Südseite ein Rundbogenfenster.
Die GlockenDie ältere, sie ist eine der ältesten Glocken in Westfalen, trägt keine Inschrift und Ornamente. Sie hat eine steile, schlanke Form. Die Glockenschulter ist stark gerundet. Um 1200 wurde sie sehr wahrscheinlich gegossen. Ihr Durchmesser beträgt rd. 80 cm und ihr Gewicht circa 300 kg.
Die zweite Glocke, die Marienglocke, ist fast gleich groß. Sie hat einen Durchmesser von 84 cm und ein Gewicht von 350 kg. Ihr Gußjahr ist das Jahr 1518. An der Glockenschulter steht ringsum in gotischen Kleinbuchstaben (Minuskeln) folgende Inschrift (ins heutige Deutsch übertragen):
Maria heiße ich - den Toten läutete ich
den Donner vertreibe ich - der mich hört
der bete sich - Im Jahre 1518
Auf dem Inschriftenband zwischen den einzelnen Versen sind fünfblättrige Rosetten. Unter der Inschrift ziehen sich rings um die Glocke viele flache Bögen mit stilisierten Blättern an den Bogenenden. Über dem Inschriftband befindet sich ein Fries aus stehenden, sich überschneidenden Bögen. Die Bogenverbindungen ähneln kleinen Lilienornamenten.
Die KapelleDie Kapelle kann durch eine Tür an der Westseite des Turms oder durch eine Tür an der Südseite, die eine Einfassung aus behauenen Sandsteinen hat, betreten werden. Früher gab es an der Nordseite einen Eingang. In der Außenseite der Nordwand zeugt davon der steinerne Türsturz, den man vom Verputz freigelassen hat.
Der Kapellenraum, das Schiff, hat kein Gewölbe, sondern eine flache Balkendecke, 2 unterschiedlich große Fenster an der Südseite und 3 an der Nordseite, mit Steinfassung. Die Fenster konnten früher mit Läden verschlossen werden. Einige Angeln an der Außenseite weisen darauf hin.
Der Zugang zu dem Altarraum, der Apsis, wird durch eine rundbogenförmige Öffnung freigegeben. Nach unten zu verengt sie sich etwas. Auch hier können wir die Stärke der Seitenwände, sie beträgt etwa 1 Meter, feststellen. Im Gegensatz zu dem Kapellenschiff hat der Altarraum ein Gewölbe.
Zwei Stufen führen zu dem Barockaltar (17. Jahrhundert), dessen oberer Teil holzgeschnitzt ist. Der Unterbau des Altars besteht aus Stein. An seiner Stirnseite ziert ihn in Mosaik das J-H-S Zeichen ‚ von 2 Palmzweigen umgeben, darüber ein Herz.